20251209_podcast5_blog
Zur Übersicht
Irene Schönmann
°F Inside

Neue Impulse aus dem KRAFTRAUM MITTELSTAND – Episode 5

Wenn der Rohstoff schwindet: Wie ein traditionsreiches Mittelstandsunternehmen den Wandel nicht nur überlebt, sondern als Chance nutzt

Was passiert, wenn ein erfolgreiches Geschäftsmodell plötzlich unter Druck gerät? Wenn externe Faktoren wie rückläufiger Bierkonsum die Grundlage des eigenen Erfolgs erschüttern? David Orfgen zeigt, wie ein traditionsreiches Mittelstandsunternehmen den Wandel nicht nur überlebt, sondern als Chance nutzt.

Was macht ein Unternehmer, wenn ihm buchstäblich der Rohstoff ausgeht? Diese Frage stellt sich David Orfgen, Geschäftsführer der Tremonis GmbH, jeden Tag. Denn sein Unternehmen lebt von dem, was beim Bierbrauen übrig bleibt – und davon gibt es immer weniger.

Die Zahlen sind eindeutig: Der deutsche Bierkonsum ist in den letzten Jahren um fast 40 Prozent zurückgegangen.

„Die Herausforderungen sind natürlich massiv, weil letztlich eine der Grundlagen unseres Geschäftsmodells natürlich damit fehlen. Mit rückgängiger Nachfrage ist schlichtweg auch weniger Produkt vorhanden.“

David Orfgen

Themen der fünften Folge:

➡️ Geschäftsmodell unter Druck:
Wie ein 40-prozentiger Rückgang des Bierkonsums die Grundlagen eines traditionellen Mittelständlers erschüttert

➡️ Von der Krise zur Chance:
Warum Rohstoffverknappung der Startschuss für strategische Neuausrichtung wurde

➡️ Generationswechsel als Katalysator:
Wie der Ruhestand langjähriger Führungskräfte den perfekten Moment für Transformation schaffte

➡️ Doppelspitze mit klarer Aufgabentrennung:
Warum zwei Geschäftsführer mit definierten Verantwortungsbereichen Wandel beschleunigen

➡️ Das Faxgerät als Symbol:
Wie überholte Prozesse und Strukturen den Weg für moderne Arbeitsweisen freimachen

➡️ Diversifikation als Wachstumsstrategie:
Von Bier-Nebenprodukten zu neuen Tierarten und internationalen Märkten

➡️ Kreislaufwirtschaft als Zukunftsmodell:
Wie aus Abfallprodukten hochwertige Futtermittel für verschiedene Tierarten entstehen

➡️ Mut zur Veränderung:
Warum erfolgreiche Transformation mehr braucht als nur gute Ideen – nämlich den Willen, bewährte Pfade zu verlassen

Wenn bewährte Pfade nicht mehr führen


Die Tremonis GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Radeberger Gruppe – der größten bierbrauenden Gruppe in Deutschland mit elf Standorten. Das Geschäftsmodell war jahrzehntelang klar strukturiert: Tremonis vermarktet Biertreber und Bierhefe als hochwertige Futtermittel.

Dieses System funktionierte reibungslos, bis der deutsche Bierkonsum zwischen 2013 und 2024 um fast 40 Prozent sank. Weniger Bier bedeutet automatisch weniger Biertreber, weniger Bierhefe, weniger Rohstoff für das Kerngeschäft. Das Fundament des bewährten Geschäftsmodells geriet ins Wanken.

Tremonis stand vor einer fundamentalen Herausforderung: Wie kann ein Unternehmen wachsen, wenn der Rohstoff schwindet? Wie lässt sich ein traditionelles Geschäftsmodell transformieren, ohne die bewährten Stärken zu verlieren? Die Antwort lag nicht im Festhalten an alten Strukturen, sondern in der strategischen Weiterentwicklung des Kerngeschäfts.

Der Mut, Probleme nicht wegzuschieben


Tremonis stand vor einer klaren Entscheidung: Entweder massiv Kosten einsparen und sich "gesund sparen" – oder das Geschäftsmodell strategisch weiterentwickeln, um auch künftig ertragreich zu bleiben. David Orfgen wählte den zweiten Weg: neue Betätigungsfelder erschließen, neue Kundenfelder identifizieren und die vorhandenen Produkte höherwertiger vermarkten.

Die Strategie war vielschichtig: Statt nur traditionelle Nutztiere zu beliefern, erweiterte Tremonis das Spektrum auf Pferde, Hunde und Katzen. Biertreber, der bisher hauptsächlich in der Rinderfütterung eingesetzt wurde, fand neue Anwendungsgebiete. Parallel dazu suchte das Unternehmen nach zusätzlichen Futtermittel-Nebenströmen, die ernährungsphysiologisch interessant und mengenmäßig attraktiv waren.

Diese Diversifikation erforderte eine grundlegende Neuausrichtung der Unternehmensprozesse. Neue Märkte bedeuteten neue Anforderungen an Logistik, Qualitätssicherung und Kundenbetreuung. Statt das Problem des schrumpfenden Biermarktes zu ignorieren, nutzte Tremonis die Herausforderung als Katalysator für strategisches Wachstum.

20251209_podcast5_blog2

Generationswechsel als Katalysator


Der entscheidende Moment kam in den späten Zehnerjahren. Viele leitende Mitarbeiter standen kurz vor dem Ruhestand. Für David Orfgen war das der perfekte Zeitpunkt: Mit einer neuen Generation an Führungskräften ließ sich auch ein Wandel einleiten.

Die neue Führungsriege erkannte: Die Marktveränderung ist kein Schicksal, sondern eine Chance zur strategischen Neuausrichtung. Von der Erschließung neuer Tierarten in der Fütterung bis hin zu völlig neuen Geschäftsfeldern – alles stand auf dem Prüfstand.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor: die klare Aufgabentrennung in der Doppelspitze.

Diese Klarheit schafft Geschwindigkeit. Jeder weiß, wer wofür verantwortlich ist. Entscheidungen werden schneller getroffen, Veränderungen konsequenter umgesetzt. Während der eine Partner den technischen Bereich verantwortet, kümmert sich der andere um Marktbegehung und strategische Entwicklung.

„Der Vorteil ist, wenn ein Unternehmen sehr lange sehr eingefahren ist, es doch einiges gibt, wo man Schnell-Einigkeit erzeugen kann, weil es einfach völlig aus der Zeit gefallen ist.“

David Orfgen

Drei Säulen erfolgreicher Transformation


1. Den Mut entwickeln, bewährte Pfade zu verlassen

Mut zur Veränderung, sich den Dingen auch stellen, die man letztlich angehen möchte, dafür offen auch mit den Veränderungen des Umfeldes umgehen und letztlich nicht die Ohren und Augen verschließen. Wer Marktveränderungen als Chance begreift, kann sie aktiv nutzen.

2. Eine gesunde Basis für Veränderung schaffen

Die Grundprozesse im Unternehmen hinterfragen. Bei Tremonis war es das Faxgerät – ein Symbol für überholte Strukturen. Aber auch Arbeitsabläufe, Kundenbeziehungen und interne Kommunikation standen auf dem Prüfstand.

3. Die neue Herangehensweise sichtbar machen

Die eigene Darstellung anpassen, um die neue Herangehensweise, das neue Geschäftsmodell auch nach außen zu transportieren. Wandel muss erlebbar werden – bei Kunden, Partnern und Mitarbeitern.

Mehr als nur gute Ideen


Die Geschichte von Tremonis zeigt: Erfolgreiche Transformation braucht mehr als nur gute Ideen. Sie braucht den Mut, bewährte Pfade zu verlassen, und die Weitsicht, Probleme nicht wegzuschieben, sondern aktiv anzugehen. Aus der Rohstoffverknappung wird so eine nachhaltige Wachstumsstrategie. Statt nur auf Bier-Nebenprodukte zu setzen, erschließt Tremonis neue Rohstoffquellen, neue Tierarten, neue Märkte. Kreislaufwirtschaft wird zum strategischen Vorteil.

Wer früh erkennt, dass sich die Rahmenbedingungen ändern, kann proaktiv neue Wege einschlagen. Der Schlüssel liegt nicht in der perfekten Strategie, sondern im Mut zum ersten Schritt. In der Bereitschaft, liebgewonnene Gewohnheiten zu hinterfragen. In der Fähigkeit, aus weniger mehr zu machen.

David Orfgen bringt es auf den Punkt: Es geht nicht darum, das bewährte Geschäftsmodell über Bord zu werfen, sondern es intelligent weiterzuentwickeln.

KRAFTRAUM MITTELSTAND ist ab sofort verfügbar auf:

➡️ Spotify

➡️ Apple Podcasts

➡️ Amazon Music

➡️
Podigee

und überall, wo es Podcasts gibt!

Gemeinsam geben wir dem deutschen Mittelstand die Sichtbarkeit, die er verdient. Denn starke Marken machen einen starken Mittelstand – und ein starker Mittelstand macht eine starke Zukunft.